UKE-Wissenschaftler
haben den Mechanismus identifiziert, der eine genetische Fehlfunktion des
natürlichen Schrittmachers des Herzens bewirkt. Die Ergebnisse der
Untersuchung erklären auch die systemische Wirkung von Substanzen, die als
künftige Alternative zur Behandlung mit Betablockern bei bestimmten
Herzerkrankungen gelten. Ihre Studienergebnisse wurden in der weltweit
renommierten Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of
Sciences" (PNAS) veröffentlicht.
Ein regelmäßiger
Herzschlag in angemessener Geschwindigkeit hängt wesentlich von bestimmten
Ionenströmen ab. Ionenströme fließen durch so genannte Ionenkanäle, deren
genau regulierte Aktivität im Schrittmacher des Herzens, dem Sinusknoten,
für eine regelmäßige und bedarfsangepasste Herzfrequenz verantwortlich ist.
Eine quantitative Veränderung der Ionenströme gilt derzeit als eine
wesentliche Ursache für Herzrhythmusstörungen. Die Erkrankung des
Sinusknotens wiederum ist weltweit eine der Hauptursachen für eine
Herzschrittmacherimplantation.
UKE-Wissenschaftler um Prof. Dr. Dirk Isbrandt, Arbeitsgruppe Experimentelle
Neuropädiatrie, haben transgene Mauslinien hergestellt, die selektiv und
regulierbar eine Genmutation im Herzen tragen, die beim Menschen für eine
Verlangsamung der Pulsfrequenz verantwortlich gemacht wird. In
Zusammenarbeit mit einer französischen Arbeitsgruppe der Universität
Montpellier konnten an diesen Mäusen die Auswirkungen der Mutation sowohl
auf die Eigenschaften der Sinusknotenzellen als auch auf die Regulation der
Herzfrequenz untersucht werden. Überraschenderweise stellten die
Wissenschaftler fest, dass zwar die überdurchschnittliche Herzfrequenz bei
den transgenen Mäusen deutlich verlangsamt war, im Gegensatz zu der
angenommenen Funktion des Ionenkanals als "Schrittmacherkanal" aber die
Regulationsbreite der Aktionspotenzialfrequenzen der Sinusknotenzellen als
auch der Aktivität des Sinusknotens völlig unverändert war.
So konnte auch die
systemische Wirkung von Substanzen erklärt werden, welche die
pharmazeutische Industrie erfunden hat: Durch die Blockade dieser
Ionenkanäle verlangsamen sie die Pulsfrequenz, ohne jedoch ihre Bandbreite
einzuschränken. Dies bedeutet, dass der Puls normal auf Ruhe oder
Anstrengung reagiert, allerdings auf einem niedrigeren Niveau. Das
Mausmodell der UKE-Wissenschaftler ist das erste, welches die
Pathophysiologie einer humanen Mutation, die klinisch mit dem Krankheitsbild
eines "sick sinus" verbunden ist, erklärt und gleichzeitig die
physiologische Funktion der HCN-Kanäle im Sinusknoten erwachsener Mäuse
spezifiziert.
Das
Projekt wird in enger Kooperation mit Prof. Dr. Heimo Ehmke, Institut für
Vegetative Physiologie und Pathophysiologie, durchgeführt und findet
innerhalb der am UKE angesiedelten DFG-Forschergruppe "Signalwege im
gesunden und im kranken Herzen" statt.
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